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Europas Weg

Dieses Thema im Forum "Internationale Medien und Schlagzeilen" wurde erstellt von felixkohl, 6. 04. 2011.

Europas Weg 4 5 4votes
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  1. felixkohl

    felixkohl

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    Aus einem Bauchgefühl heraus, drängt sich mir die neugierige Frage auf, wie sich Europa verändert.

    Mich beschäftigt hier nicht die einzelne Tagesaktualität sondern die Veränderungen während der letzten Monate.

    Kurz ein paar Gedanken:

    1. Einige Europäische Nationen befinden sich in einer entsetzlichen Schuldenkrise. Griechenland, Portugal und Irland sind hier an vorderster Stelle. Für weitere Kreditaufnahmen müssen sie derart hohe Zinsen bezahlen, welche sie mit den Steuereinnahmen kaum bewältigen können. Das geht auf Kosten von Investitionen im eigenen Land, was wiederum den Binnenwirtschaften schädigt. Ein Teufelskreis.

    2. Einige Regierungen von BigPlayern stehen kurz vor dem Abgrund, namentlich jene Frankreichs, Deutschlands und Italiens.
    Die meisten sind ebenso
    (die Wirtschaftskrise lässt grüssen). Es werden neue Köpfe und Parteien an deren Stelle treten.

    3. Die Solidarität in den EU-Staaten bröckelt hinsichtlich des Euros, der Immigrationspolitik (Italien wird alleine gelassen) oder bei aussenpolitischen Aktionen wie z.B. in Libyen und Elfenbeinküste (wo die frz. Regierung hier nach Selbstprofilierung trachtet).

    4. Rechte bis rechtsextreme Gruppierungen (Holland, Frankreich, Belgien und Ungarn) haben Oberwasser.
    Demgegenüber werden aber auch links-ökologische Kreise stärker (Fokushima-Effekt, Wirtschaftkrise etc.). Polarität?

    Läuft Europa in eine Krise? Wird diese für die EU zu bewältigen sein? Oder bieten sich neue Chancen? Welche geopolitische Rolle wird Europa in naher Zukunft haben?
    Welche Szenarien sind denkbar und welche Konsequenzen werden die Veränderungen auf die Schweiz haben?

    Interessanterweise befinden sich auch die USA (zumindest ein Stück weit) und vor allem der arabische Raum in einer Metamorphose.
    Über Asien weiss ich nichts zu sagen, ebenso wenig über Afrika und Südamerika. Russland ist medial kaum noch wahrnehmbar.
     
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  2. rlarsson

    rlarsson Parteilos

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    Hauptsache, die Banken in Deutschland und Frankreich sind gerettet und Frau Merkel und Herr Sarkozy verbuchen die fetten Gewinne aus dem EUR-Rettungsschirm ab. Irgendjemand muss ja am Schluss profitieren ;-) Nein, die Finanzkrise ist noch lange nicht überstanden. Und wirklich weh wird es erst tun. Erleben wir die Umschuldung von Griechenland? Weitere? Evtl. Austritte?

    Was nachher kommt, das ist sicher besser ;-) Spass ans Velo! Die Landung wird sicher nicht weich sein. Es sieht wirklich nicht so gut aus für Europas institutionelle Zukunft und den vielgelobten sozialen Zusammenhang. Jedem ist sein eigenes Hemd sein nächstes. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir diesem Verein nicht beigetreten sind.

    Mit solchen Soloauftritten verwehrt sich Europa natürlich die Chance eine geopolitisch wichtige Rolle einzunehmen. Nichts zu sehen und zu spüren von der grossen Einigkeit.

    Die Polarität wird wohl oder übel weiter zunehmen. Wer weiss, was noch alles auf die Bürgerinnen und Bürger in Europa zukommmt? Energiepreisschock? Industriesterben? Massenarbeitslosigkeit? Flächendeckende Bürgeraufstände wie in Stuttgart und Hamburg?

    Dies zeigt uns, auch um den grossen Bruder Amerika steht es miserabel bis grottenschlecht.
     
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  3. Natascha

    Natascha Guest

    Neuer Benutzer
    Die EU bricht nicht auseindander. Es könnte sein, dass in der Eurozone Veränderungen kommen. Die Politiker müssen vermutlich vom Grössenwahn vergangener Jahre zurückkrebsen und ich glaube es mündet in einer Kernzone der Euromitglieder. Dies würde auch Sinn machen. Ein komplette Auflösung des Euros wäre falsch und hätte gravierende Folgen. Die Schweiz ist immer im Schatten von Europa. Also wenn es schlechter wird, dann geht es uns auch schlechter. Wichtig ist nur, dass wir möglichst unabhängig bleiben und Handelsabkommen mit anderen Ländern abschliessen. Dazu gehört es auch in Zukunft bei der EU einmal NEIN zu sagen oder sogar bilaterale Verträge zu verbessern oder auch zu künden. Vorsicht bei Rahmenverträgen, diese führen nur dazu, dass wir über die Hintertüre genau gleich wie andere Länder mit in diesen Sumpf hereingeritten werden.

    Insofern hat hoffentlich nun jeder begriffen, dass unsere EU Befürworter und Optimisten fahrlässig gehandelt und die Schweiz im Prinzip verscherbelt hätten. Eine kritische Haltung zu der Regierung und den Parteien ist in dieser Frage besonders wichtig.

    N.
     
  4. Loser

    Loser Parteilos

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    Unabhängiger werden wir nicht mehr werden und mit den
    Handelsabkommen wäre ich sehr vorsichtig, vorallem, wenn es um China geht. China hat enorme Fortschritte gemacht, nicht zuletzt deswegen, weil sie von der modernen Technik der internationalen Partner profitierten, ja sie einfach klauten. Ausländische Firmen, die in China Fuss fassen wollen, müssen ein Jointventure mit einer chinesischen Firma eingehen und jetzt frag Dich mal, wer da der Gewinner sein wird ?
    Klar kannst Du die bilateralen kündigen, doch vergiss nicht, dass unsere Ware, für wenn auch immer, durch die EU muss, naja, die könnten dann einfach die Transportwege verteuern, für Nichtmitglieder natürlich.
     
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  5. Zocker

    Zocker

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    Du hast eine interessante Frage aufgeworfen und die Standardsprüche gegen die EU und für den Alleingang der Schweiz sind bereits gefallen. Und alle argumentieren aus ihren Bauchgefühl, das von Bauchweh bis zum Durchfall geht.

    Europa inclusive der Schweiz verändern sich zur Zeit sehr stark, weil Krisen vorhanden sind. Ohne UBS hätten wir das Bankgeheimnis heute noch. Wir sind dringend auf die Krisen angewiesen, um Veränderungen einleiten zu können. Ohne die Katastrophe in Fukushima wäre die Atomlobby nicht so leicht zu bezwingen gewesen.

    Wer natürlich keine Veränderungen will, der jammert wegen der Krisen. Wer jedoch die EU oder die USA oder auch die Schweiz nach vorne bringen möchte, der ist dankbar für die Krisen.

    Die Schuldenkrise ist weit weniger dramatisch, wie wie viele glauben. Staaten sind pleite, aber das gehört zu unserem System und kommt alle paar Jahre vor. Diese Pleiten haben jedoch die tieferen Gründe aufgezeigt, ein mangelhaftes oder fehlendes Staatsverständnis der Bürger, ein mangelnder Organisationsgrad der Bürger und der Irrglaube, sich etwas nehmen zu können, was andere bezahlen werden.

    Die Party ist zu Ende, die Bürger werden sich einschränken müssen und ein paar Gläubiger werden bis zum Schlus auch bluten. Die Staaten werden bleiben auch wenn sie ein paar Jahre nicht mehr an den Kreditmärkten auftauchen können. Und der € wird bleiben, weil der Zwang dazu zu gross und jede andere Alternative unsinnig wäre. Der $ in den USA bleibt auch, auch wenn grosse Staaten wie Kalifornien pleite sind. Griechenland hat in seinen 180 Jahren Unabhängigkeit nur während 90 Jahren seine Staatsschulden richtig bedient die anderen Jahre war Griechenland pleite.

    So gesehen ist alles normal und es gibt nichts zu jammern. Was bewegt sich aber doch? Nun werden die Defizitsünder das erste Mahl von aussen gezwungen zu sparen und zu sanieren. In allen Jahren zuvor, wurde auch über die Verhältnisse gelebt, jedoch weil eigene Währung wurde die Staatsschuld weginflationiert, d.h. ganz unsozial hat der kleine Mann für das Defizit geblutet. Das die Reichen wegen Steuerschlupflöcher kaum bis keine Steuern bezahlten wurde nicht registriert. Diese Staaten bekommen jetzt die Chachen, strukturelle Reformen durchzuführen, um den Staatshaushalt nachhaltig zu sanieren.
    Die Länder haben eine neue Möglichkeit, die es ohne € nicht gegeben hätte.

    Soviel fürs Erste.
     
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  6. felixkohl

    felixkohl

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    Vielen Dank für Eure Inputs.

    Was die Politik angeht, denke ich wird in Deutschland nächstens eine Koalition aus CDU-Grüne regieren.
    Berlusconis Italien wird vermutlich wieder - mehr aus Apathie als aus Überzeugung - den
    Oppositionsblock wählen.
    Zwei gute Beiträge auf RadioDRS1 zeigen auf, dass in Italien nicht Berlusconi das Problem ist sondern neben den hinlänglich bekannten Ursachen (organ. Kriminalität, exzessive Bürokratie, Steuerflucht, Zentralismus etc.) das Rechtswesen viel zu kompliziert und schwerfällig arbeitet (ca. 1200 Gerichte im Land!). Ca. 170 000 Fälle pro Jahr verjähren...Das muss man sich mal vorstellen!
    Ausserdem ist in Italien die Parteinzersplitterung ebenso ein Problem. Ein Autor wünschte sich ein Modell mit zwei Hauptparteien (von mir aus auch Blöcke), die regieren oder in der Opposition den anderen kontrollieren. Fand ich eine interessante These.
    In Frankreich befürchte ich, dass Marie LePen einen ungebührlichen Rechtsrutsch bewirken wird. Sarkozy ist ja fast schon klinisch tot, daher sein Aktivismus im Ausland um sich vermeintliche Lorbeeren zu holen.

    Die Sozialwerke in vielen Ländern stehen unter Druck.
    Frustrationen und Kanalisierung auf Feindbilder (Muslime, Flüchtlinge etc.).

    Von den anderen Ländern höre ich zu wenig.

    Ergo:
    M.E. Wird die Politik in Europa viel stärker polarisieren.
    Die egoistische Haltung der Nationalstaaten wird zunehmen und die EU aussenpolitisch schwächen.
    Schweizer sollten m.E. da nicht jubilieren, denn andere Erdenregionen werden nicht nur zuschauen.

    Wirtschaft:
    Die Milliarden, die während der Finanzkrise in die Finanzinstitute geworfen wurden, bedeuten eine schwere Hypothek für Deutschland. Andere Staaten haben auch sehr geblutet, interessanterweise weniger die Mittelmeerländer (die waren da mal schlauer).

    Was sich positiv auswirken könnte, ist die Aufbruchstimmung in den Sektoren alternativer Energiegewinnung. Das könnte einen Wirtschafsschub bewirken wie seinerseits die IT-Branche, die Mobile-Telefonie oder frühere starke Technologieschübe.
    Ein spannender Beitrag über die Vielfalt der Projekte:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/sendung-verpasst#/beitr ag/video/1305148/Im-Zeichen-der-Energiewende

    (15minütige Doku aus der Hannover-Messe)

    Bin gespannt auf weitere Meinungen.
     
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  7. rlarsson

    rlarsson Parteilos

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    Völlig korrekt!
     
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