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Die alte Pnos hilft der Jungen SVP

Dieses Thema im Forum "Initiativen / Abstimmungen / Wahlen" wurde erstellt von krokodil, 17. 04. 2008.

Die alte Pnos hilft der Jungen SVP 4.8 5 4votes
4.8/5, 4 Bewertungen

  1. Bruno

    Bruno Guest

    Neuer Benutzer
    @echnaton

    Dass gerade das Baselland und dessen möglicherweise unbewältigte Vergangenheit viel mit dem ersten Auftreten der Pnos zu tun haben könnte (also durchaus in diesen Thread gehört), magst du in meiner Antwort an Boll nachlesen. Ich halte es jedoch momentan nicht für sinnvoll, gerade dich einer längeren Antwort zu würdigen (
    -Thread").

    @Boll

    Vollkommen einverstanden! Ich empfand es auch immer als selbstverständlich, dass man jene harte Zeit einfach vergessen wollte und schob sämtliche Schweizer Nazis auf den Finanzplatz Zürich ab (in dieser Haltung von Frischs
    noch bestärkt).

    Nun sass während der Nazi-Gold-Affäre gerade der Schweizer Demokrat Rudolf Keller für das Baselbiet im Nationalrat. Dieser forderte in einem Flugblatt dazu auf, nicht mehr bei Amerikanern und Juden (!) einzukaufen. Es kam zu einem Skandal; man forderte dazu auf, Kellers Immunität aufzuheben. Letztlich entschuldigte er sich wie ein getretener Hund bei jedem einzelnen Parlamentarier.

    Was mich jedoch überraschte: Die Menge an Leserbriefen in der
    , die für den SD-Nationalrat Partei ergriff (der damalige Chefredaktor liess sehr viel durchgehen). Eine Sache, die von Angehörigen der Kriegsgeneration immer wieder betont wurde: Was man alles zu berichten hätte, wenn es dieses unselige Antirassismus-Gesetz nicht gäbe! - Um Kurden kann es kaum gegangen sein, um Tamilen und Ex-Jugoslawen wohl auch nicht...Bleiben wohl nur die Juden, die als Flüchtlinge in die Schweiz gekommen waren.

    Ich schrieb damals meinen ersten Leserbrief (den Basler SP-Grossrat Stark unterstützend) und erhielt alle Reaktionen, die man sich vorstellen kann (am lustigsten waren Kopien von Artikeln aus der
    über längst vergessene SP-Nationalräte, die Nordkorea besucht hatten, und über eine ehemalige palästinensische Flugzeugentführerin, welche man am 1.Mai für eine Rede einlud - also alles Dinge, die UNGLAUBLICH viel mit dem Thema zu tun hatten). Einige anonyme Briefe offensichtlich älterer Leute sprachen auch eine mehr als deutliche Sprache: Ein Basler erzählte, er wohne in der Nähe der Eulerstrasse, wo alle
    hausten - die Synagoge befindet sich in der Eulerstrasse).

    Reaktionen aus meinem Dorf brachten mich auf den Gedanken, zu insistieren. Standardreplik: Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie jene Zeit war (der erwähnte Primarlehrer kam aus Graubünden). Eine Mauer des Schweigens, die mich zum Durchforsten der
    brachte.

    Dann kam es in Liestal zu jenem eigenartigen Umzug am Vorabend des Geburtstags des Nazis Hess. Ueberraschte Passanten wurden unter Androhungen von Gewalt vertrieben, eine Kamera von
    , dem man offenbar einen Wink gegeben hatte, während der Ansprache fast demoliert. Niemand wusste so recht, worum es sich gehandelt hatte,

    Kurz darauf ersuchte eine Gruppe namens Pnos um eine Bewilligung für eine Demonstration beim Stadtrat. Thema: freie Meinungsäusserung. Viele - ich auch - glaubten, es handle sich um einen Kriegsveteranen-Club, dem die Rückforderungen noch immer Bauchweh bereiteten. - Man begann zu recherchieren. Es stellte sich heraus, dass hinter der Pnos so ziemlich genau die Gruppe stand, die das Städtchen schon am Vorabend von Hess' Geburtstag heimgesucht hatte.

    Warum gerade Liestal??? - Ich habe bis heute keine Antworten gefunden, werde sie wohl auch nie kriegen. Es ist bekannt, dass es in der Gegend um Sissach und im Waldenburgertal Kneipen gab, die als Treffpunkte für Ultra-Rechte galten; aber gab es solche Treffpunkte nicht auch in anderen Gegenden der Schweiz? --- Und warum so kurz nach der Geschichte mit Keller (der heute grummelnd in seinem Frenkendorf sitzt) und den Reaktionen ALTER Menschen in der Zeitung? - Du weisst: Ich stelle einfach Fragen und überlasse es anderen, ihre Schlüsse zu ziehen.

    Heute hört man von der Pnos in meinem Kanton nichts mehr; sie sitzt in Langenthal und hoffentlich zunehmend in der Hölle. Nach meinen Leserbriefen haben mich aber erst zwei junge Männer auf die Idee mit der
    gebracht: Sie erzählten mir, ihre Schweizer Grossväter hätten nach den Ereignissen immer wieder damit angefangen, unter Hitler wäre alles anders gekommen - ohne den gewünschten Erfolg!

    Ich weiss nicht, was die Nordwestschweiz so anders machen könnte als die Innerschweiz, wo die Zeit offensichtlich nicht verdrängt wird. War es die Grenznähe, die manchmal zu einem Sich-Schuldigmachen führte, von dem ich NIE behauptet habe, ich könnte mich ohne Kohls
    ausnehmen. - Es ist nur so: Die Geschichte will - ohne Selbstgerechtigkeit - erforscht werden! Und für jene
    , die gerade einem kleinen Gebiet angemessen wäre, dürfte es bald zu spät sein.

    Jetzt überlasse ich die Leute wieder dem, was sie für das eigentliche Thema des Threads halten. Herkunft und erstes Auftreten der Pnos scheinen ja bedeutungslos zu sein... - Es war mir aber ein Bedürfnis, dir noch einmal zu antworten.
     
  2. krokodil

    krokodil

    Top Benutzer
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    Hmm, Bruno, danke für diesen aufschlussreichen Beitrag – es scheint tatsächlich so, dass in den clubs, mit wöchentlichen mitagessen und interessanten vorträgen, meistens freitags, wo seit den 30er Jahren die entscheidenden weichen gestellt werden, die Meinung, dass Hitler ja schon in Ordnung gewesen sei, nur habe er den Fehler gemacht habe den Krieg zu verlieren, weit verbreitet ist. –

    Aus einem eher zweifelhaften 'Geschichts'-Forum – (teilweise mit braunen Stellen) – bemerkenswerte Äusserungen zur Rolle der Schweiz, aus einer interessanten Perspektive – Wird vielleicht helfen zu erinnern, warum es in der Schweiz immer noch so viele untote Fröntler & Sympathisanten gibt:

    Auf einen deutschen Sieg gesetzt: Die Schweiz
    "Die schweizerische Produktion für unseren Wehrmachtbedarf ist so bedeutungsvoll, dass wir alles tun müssen, um diese Produktion störungsfrei weiterarbeiten zu lassen»,
    (Otto Carl Köcher, deutscher Gesandter in Bern im August 1942).

    Für das Großdeutsche Reich arbeiteten damals in der Schweiz 80 Prozent der Präzisionsinstrumente erzeugenden Industrie, 75 Prozent der Elektroindustrie sowie 60 Prozent der Waffenindustrie, die auch die schweizerische Armee zu versorgen hatte. Die schweizerischen Eisengießereien sowie die optische Industrie waren ebenfalls zu 50 Prozent mit deutschen Aufträgen belegt.
    ....
    Die Schweizer Industrie spielte im Russlandfeldzug eine unersetzliche Rolle: Rasch in so kurzer Zeit zu ersetzen, was im September 1939 in Polen, im April 1940 in Skandinavien und kurz darauf im Westen verbraucht worden war, dafür waren gewaltige Anstrengungen nötig. Da mussten auch die neutralen und nicht-kriegführenden Länder mit ihrem Wirtschaftspotential für die Deutsche Rüstung herangezogen werden.
    ...
    Die Schweiz produzierte in dieser Zeit für den deutschen Wehrmachtsbedarf Spezialwerkzeugmaschinen und Flugzeugbestandteile, Zünder für Panzer-Granaten und Flieger-Abwehrgeschosse, präzisionstechnische Komponenten für das deutsche Panzer- und Fernsteuerprogramm und vieles mehr.
    ...
    Die Achse Berlin-Rom funktionierte nicht nur über den Brenner, sondern auch über die nicht-bombardierten Eisenbahnstrecken der Schweiz.
    Die St. Gotthard-Bahn gehörte dabei zu den strategischen Nachschublinien für deutsche Divisionen in Afrika und später im Abwehrkampf in Italien selbst.

    Diese Schweizer Wirtschaft war aus deutscher Sicht ideal, für die an täglichen und stündlichen Amputationen leidende deutsche Rüstungsindustrie einzuspringen. Auch das wurde von ihr mit Nachdruck verlangt - und geleistet.

    Der Waffenfabrikant Bührle erhöhte so zwischen 1939 und 45 sein Einkommen von 6.8 auf 56 Millionen Franken und das versteuerte Vermögen von 8,6 auf 170 Millionen Franken.
    [ Hinweis Aktualität: Kunstsammlung Bührle, Erweiterung Kunsthaus Zürich, weiterer Tag: Blutgeld ]

    Noch wichtiger für das Dritte Reich war die Schweiz als Gold-Umschlagplatz. Um kriegswichtige Rohstoffe wie Manganerz aus Spanien, Chrom aus der Türkei, Wolfram aus Portugal und Eisenerz aus Schweden, von denen Deutschland nichts oder sehr wenig besaß, einkaufen zu können, war das Reich auf frei konvertierbare Devisen und damit auf Gold angewiesen.
    ....
    Bei der Schweiz kam aber noch die räumliche Nähe zum Dritten Reich hinzu und die war neben unglaublichen Kriegsgewinnen mit ausschlaggebend. Die Tatsache, dass die Schweiz noch am 5. April 1945, also vier Wochen vor Kriegsende, von der Reichsbank Gold entgegennahm und dieser «die Fortsetzung gewisser Zahlungen» zusicherte, legt Zeugnis ab, wie die Schweiz zum Reich eingestellt war.
    ...
    Der finanzielle Gesamtnutzen, den die deutsche Rüstung aus den Gold-Transaktionen und den Krediten gezogen hat, beträgt gut drei Milliarden Schweizer Franken, eine für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe.

    http://www.nexusboard.net/showthread.php?siteid=6365&threadid=297165
     
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  3. krokodil

    krokodil

    Top Benutzer
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    Nachtrag: Weitere Gedächtnisstütze:
    In Sachen Neutralität war die Schweiz zum Reich so großzügig, dass sie sich darauf einließ, Lieferungen von Rüstungsgütern an das Dritte Reich selbst zu finanzieren, und zwar mit einem größtenteils unverzinslichen Milliardenkredit. Tag und Nacht rollten in dichter Folge Güterzüge mit unbezahlten Waffen und anderen kriegswichtigen Gütern
    über die Grenze nach Deutschland, während versiegelte Waggons mit deutschem Gold in die entgegengesetzte Richtung fuhren.

    In der damaligen Schweiz zirkulierte mitunter das Bonmot:
    «Während sechs Tagen arbeiten wir für Hitler, am siebenten beten wir für die Alliierten»...


    Den treffenden Spruch muss man insofern korrigieren, als ein Großteil des Bürgertums bis zur Stalingrader Kriegs-Wende vom Januar 1943 für die Achsenmächte betete.

    Minister Hans Fröhlicher, der Schweizer Gesandte in Berlin, rechnete 1940 den deutschen Diplomaten vor: «Stünde die offizielle Schweiz auf der Seite unserer Gegner, so hätte sie das (die Gewährung von Krediten) bestimmt nicht getan. Sie setzt vielmehr auf den deutschen Sieg, denn sonst wären diese 450 Millionen doch in den Rauchfang geschrieben.»

    http://www.nexusboard.net/showthread.php?siteid=6365&threadid=297165
     
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  4. Bruno

    Bruno Guest

    Neuer Benutzer
    @krokodil

    Unheimlich sind natürlich auch nicht nur die Treffen der Pnos mit der jungen SVP - auch sozusagen die ganze SD (eine wirklich üble Suppe) hat sich mittlerweile der SVP angeschlossen. Nur Keller sitzt in seinem Frenkendorf und grollt, auf eine neue Chance wartend...

    Die Leserbriefe waren übrigens wirklich unterste Schublade. Einer kam von einem Pratteler Geschichtslehrer, dessen Sohn Richter und SVP-Mitglied ist; er behauptet, wegen seiner Parteizugehörigkeit nie die ihm zustehende Karriere gemacht haben zu können. Sein Alter, bekennender Abonnent der
    , schreibt immer noch Leserbriefe, wurde allerdings im Zusammenhang mit einer Anti-Schlumpf Hassrede erstmals von einer regelrechten Kritikflut überwältigt.

    Erstaunlich: Das erstmalige Auftreten der Pnos in Liestal wurde in der übrigen Schweiz kaum zur Kenntnis genommen; auch scheinen nur wenige auf den Gedanken gekommen zu sein, dass rechtsextremes Gedankengut nicht nur aus dem Ausland importiert wird oder auf dem eigenen Mist wächst, sondern implizit schon in der Familie vermittelt wird. Dies trotz einer aus ihrer Gesinnung kein Hehl machenden Leserbriefgeneration!

    Danke für den Link! Ich habe das
    Forum bis jetzt nicht gekannt.
     
  5. sudsy

    sudsy Guest

    Neuer Benutzer
    bruno und krokodil danke für euren mut !
     
  6. Guest

    Guest Guest

    Neuer Benutzer
    Das stimmt nicht. Mein Grossvater leistete als Mitrailleur in der Festung Full-Reuenthal am Rhein Aktivdienst. Noch heute hängt die Urkunde der ehrenhaften Entlassung in seinem Wohnzimmer. Die Schweizer Armee hätte unser Land ehrenvoll verteidigt.

    Ja, mein Grossvater stand auch an der Grenze, mit dem Sturmgewehr geschultert und noch den einen oder andern Kollegen auch mit Karabiner in Sichtweite. Sie waren allfälliges Kanonenfutter aber nicht die Schweizer Armee.
     
  7. Bruno

    Bruno Guest

    Neuer Benutzer
    off-topic

    @sudsy

    For you: anytime! - Do you know where I'd live, if my disease wouldn't keep me in Switzerland? - York or Lincoln, Great Britain. That warm July evening before I had to leave after a year full of joy and bliss I walked along the River Witham with teardrops in my eyes. Something told me I'd never come back...

    The last person I met in Folkstone was a friendly customer who said he hoped I had enjoyed my stay and would return one day. Then I entered the train, crossed the Channel, and arrived in Basel early in the morning. Of course, the first person I met was a customer again. I said:
    - He answered with a
    --- and I knew I was back in my fucking home-country.

    England was conservative and its laws were still discriminating gays. But it had a friendly sunny atmosphere which turned every single day into a heyday: the centre of my life! And I always find comfort in an old English saying: Home is where your heart is!
     
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