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Alkoholisierte Notfallpatienten - Arztrechnung selber bezahlen??

Dieses Thema im Forum "Vorsorge- und Gesundheitspolitik" wurde erstellt von Shenaja, 4. 01. 2008.

Alkoholisierte Notfallpatienten - Arztrechnung selber bezahlen?? 4.8 5 4votes
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  1. Rahel

    Rahel

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    AW: Sollen stark alkoholisierte Notfallpatienten die Arztrechnung selber bezahlen?

    Hallo Shenja

    Ich bin dagegen.

    Bei der Krankenkasse handelt es sich um ein Versicherungsprinzip und dies wiederum auf dem Solidaritätsprinzip. Fängt man an dieses Prinzip an noch weiter aufzusplitten, wird es langfristig für alle teurer. Die Durchführung ist auch nicht sehr pragmatisch und kostenträchtig.

    Aus dem Sozialen Aspekt heraus bin ich auch der Meinung, dass Alkoholkonsum in der Gesellschaft akzeptiert ist und auch von dieser solidarisch getragen werden soll.

    Unter diesem Thread haben wir auch schon einige Meinungen hierzu ausgetauscht.
    Vielleicht findest Du noch einige Inputs.

    http://www.polittalk.ch/forum/showthread.php?t=968
     
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  2. lurazaa

    lurazaa fdp

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    AW: Sollen stark alkoholisierte Notfallpatienten die Arztrechnung selber bezahlen?

    Hallo Shenja

    Mich nerven solche Leute auch, aber warum soll der betrunkene Unfallverursacher seinen Spitalaufenthalt selber bezahlen und der an Lungenkrebs erkrankte Raucher nicht? Wenn schon müsste jeder, der sich in irgendeiner Weise selbst gefährdet, die Kosten selber tragen. Unser Gesundheitssystem basiert auf dem Solidaritätsprinzip, willst du das wirklich ändern?
    Man kann natürlich ein Bonus-Malus-System einführen, aber ich glaube nicht, dass das wirklich fairer und günstiger wäre. Nur schon die Definition ist schwierig. Wann hat man seine Krankheit bzw. seinen Unfall durch risikoreiches Verhalten selber verursacht? Muss der übergewichtige Patient mit Diabetes sein Insulin selber bezahlen? Übergewicht entsteht in den meisten Fällen durch ungesunde Ernährung bzw. zu wenig Bewegung, die Gesundheit wird bewusst gefährdet. Auch Drogenabhängige gefährden ihre Gesundheit, sollen sie die Methadon-Kosten selber tragen?
    Und was ist mit Leuten, die sich den Rücken verletzen, weil sie zu schwere Gegenstände herumtragen?

    Zudem müsste man immer noch nachweisen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Fehlverhalten und der Krankheit bzw. dem Unfall besteht, was bestimmt nicht immer einfach ist.

    Ich halte unser System für fairer.
     
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  3. ehm

    ehm Keine_Parteiangabe

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    AW: Sollen stark alkoholisierte Notfallpatienten die Arztrechnung selber bezahlen?

    Hallo lurazaa. Ich begrüsse dich im Namen aller User in diesem Forum.

    Da hast du ein paar sehr interssante Punkte erwähnt, die ich zu einem Grossteil nachvollziehen kann.

    Das Leben spielt sich eben nicht in den weissen bzw. schwarzen Eckpunkten ab, sondern in den grossen Grauzonen dazwischen, wo alle Menchen, die "guten und die "bösen", die "gescheiten" und die "dummen", die "vorsichtigen" und die "unvorsichtigen", schlicht alle durch ihr Leben ziehen. Diese Menschen sind nicht in diesen Gruppen aufgeteilt, sonder auch der Vorsichtigste kann einmal voll reintrampeln, der Gescheiteste dumm dreinschaueun, der Beste einmal sehr schlecht aussehen. Es sind alles nur Menschen, die Fehler machen und dafür die Allgemeinheit irgendwie belasten. Für das hat man die Versicherungen geschaffen.

    Hypothetisch könnte man fragen: Wo wären wir heute, wenn die Menschen nie gegen die eigene Gesundheit verstossen hätten? Und - Warum und wo liegen die Gründe, dass das Individuum Mensch ungesund lebt? Inwieweit ist das Erbgut des Individuums mitveranwortlich für sein Verhalten - und andere mehr?

    Man wird hier nie Grenzen ziehen können, wo sich die Verantwortlichkeiten tangieren und somit wird man auch nie den Solidaritätsaspekt ausklammern können.

    Das kann sogar für den Säuffer gelten, wie auch für diejenigen, die sich masslos überfüttern dh. ungesund leben.......

    Wenn wir davon ausgehen, dass jeder für seine Gesundheit selbst Verantwortung trägt, so stimmt das zu einem bestimmten Grade. Dann müssen wir aber auch bereit sein, denjenigen, die das nicht können, aus welchen Gründen immer auch, beizustehen und ihnen zu helfen.

    Diese Gründe können vielfältiger nicht sein. Sie gehen von den beruflichen Anforderungen, den psychischen Belastungen, den gesellschaftlichen Umfeldern bis zum Einsatz zum Wohle der Gemeinschaft aus u.v.a.

    Ich will mit diesen Zeilen nicht den Eindruck erwecken, als sei ich ein "Gutmensch", der nun jeglichen Unsinn gegen Leib und Leben toleriert. Ich möchte damit nur andeuten, wie komplex nicht nur die Sache ist, die hier diskutiert werden soll, sonder auch der einzelne Mensch an sich.

    Und hinzu kommt noch, dass die meisten, die krass gegen die eigene Gesunheit verstossen, weder finanziell, noch geistig(?) in der Lage sind, ihr Verhalten zu verantworten. Was dann??

    Dein Schlusssatz stimmt auch für mich - auch wenn es an diesem fairen System sicher noch einiges zu verbessern gäbe.
     
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  4. Shenaja

    Shenaja Guest

    Neuer Benutzer
    AW: Sollen stark alkoholisierte Notfallpatienten die Arztrechnung selber bezahlen?

    Hallo miteinander

    Je mehr Versicherungen wir haben, desto weniger Selbstverantwortung müssen wir tragen. Es fehlt an Grenzen, vorallem bei Jugendlichen. Es mangelt an positiven Vorbilder, an vorgelebten Werten und die daraus entstehenden Prinzipien.

    Ich wohne nahe der Schule und neben einem kleinen Park und habe selber eine 14 jährige Tochter. Fast jedes Wochenende erlebe ich betrunkene Jugendliche in diesem Park, ab und zu kommt die Polizei, wenn sie zu laut sind und Bierflaschen zerschlagen. Passieren tut ihnen nichts, an nächsten Wochenende sind sie wieder im Park.
    Vor einem Grossverteiler hängen jeden Freitag Abend ( Abendverkauf ) Jugendliche trinkend auf den Bänkli herum, pöbeln Passanten an, es passiert ebenfalls nichts.
    Der Schularzt wurde darüber informiert, dass ein 13 jähriges Mädchen täglich in der Pause Bier trinkt. Der Arzt bat um ein Gespräch mit dem Klassenlehrer und den Eltern. Er wurde bereits an der Türe abgewiesen, es gehe ihn nichts an.
    Das sind ein paar Beispiele, wie sie alltäglich sind.

    Sollen wir noch lange für das Unvermögen vieler Eltern, ihren Kindern Halt, Grenzen und Vorbildfunktionen zu zeigen, mitzahlen?
    Der stark zunehmende Wertezerfall bezahlen wir alle mit.
    Bei vielen beginnt das Nachdenken erst dann, wenn es ihnen ans Lebendige geht, nämlich ans Geld.

    Gruss Shenaja
     
  5. dunkelziffer

    dunkelziffer

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    AW: Sollen stark alkoholisierte Notfallpatienten die Arztrechnung selber bezahlen?

    Es ist die Frage, wie weit Solidarität geht. Für Krankheit oder auch für Dummheit?

    Das mit der Diabetes und ihrem Grund ist sehr schwierig zu bestimmen (man kann also nie sicher sagen, ob die Diabetes in diesem Fall wirklich vom Übergewicht kommt) und Insulin ist auch recht teuer, so dass es wohl auch einer aus dem Mittelstand schwerlich selbst bezahlen könnte. Beim Übergewicht muss man an der Entstehung anpacken, nicht an den Folgen.
    Bei den "Drogen" gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei weichen Drogen ist eine Zwangsentziehung noch möglich, bei harten meist nicht mehr. Leute, die Methadon nehmen müssen, können so viel Goodwill haben, wie sie wollen, aufhören können sie nicht. Das ist zwar auch selbst verursacht, aber Besserung ist nicht möglich. Hier halte ich eine Beurteilung von Fall zu Fall für angebracht.

    Du hast recht, es ist nicht immer möglich, aber dort, wo es möglich ist, wäre es sehr sinnvoll. Auch bei dem, der sich einen Bruch hebt. Schliesslich bezahlt eine Versicherung auch nicht, wenn einer alleine ein Klavier oder einen schweren Schrank aus dem Haus bringen will und dabei das gute Stück unweigerlich zu Bruch geht. Der Fall ist da klar: Er hat sich übernommen, in beiden Fällen, und da ist er selbst dran schuld.
    Ich halte unser System für unausgereift.
     
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  6. aristo

    aristo

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    AW: Sollen stark alkoholisierte Notfallpatienten die Arztrechnung selber bezahlen?

    Wer sich fahrlässig schädigt und deshalb ein Notfall wird, der sollte auch dafür bezahlen, bzw. einen grösseren Anteil bezahlen als ein Unfallpatient auf den kein Verschulden trifft. Ist ja bei einer Bergwanderung auch so. Die Sorgfaltspflicht sollte bis zu einem gewissen grad nicht nur für das Auto gelten sondern auch für den eigenen Körper.
     
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  7. Rahel

    Rahel

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    AW: Sollen stark alkoholisierte Notfallpatienten die Arztrechnung selber bezahlen?

    Eines unserer Grundrechte ist die Selbstbestimmung, und somit auch das Recht uns selber zu schädigen. Eine Sorgfaltspflicht gibt es in dem Sinne nicht wird aber heutzutage gerne neuhineininterpretiert. Die Sorgfaltsplicht bezieht sich auf die Schädigung von Dritten.

    Notfall-Leistungen im Krankenhaus betreffen die staatlich garantierte medizinische Grundversorgung.
    Weiter gilt es zu berücksichtigen, dass es kein qualifizierter Unfall ist wie Wandern und Risikosportarterten (i.d.R. UVG). Es betrifft somit die staatliche Grundversorgung infolge Krankheit und Existenzssicherung. Will man hier wirklich entsolidarisieren?

    An dieser Stelle sollte man weiter mitberücksichtigen dass durch die Privatisierung die medizinische Versorgung bereits zur 2-Klassenmedizin heranwächst.
     
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